Südamerika Peru

Machu Picchu und das heilige Tal der Inka

17.06.2019 – 19.06.2019

Machu Picchu und das heilige Tal der Inka

Wir machen uns also auf den Weg von Cusco in Richtung Machu Picchu. Wir selbst haben in den vergangenen Tagen mehrfach daran gezweifelt, ob es sich dabei um ein Highlight oder eher um eine Pflichtveranstaltung handelt. Gruselige Dinge haben wir über den Ablauf gehört: viel zu viele Besucher, „Einbahnstraßensystem“, usw. usw. Wir werden uns wohl (wie immer) selber ein Bild machen müssen. 2011 haben wir auf dem Weg durch Jordanien die Nabatäer-Stätte „Petra“ boykottiert und bereuen es eigentlich noch heute. Also stellt sich die Frage nach der Besichtigung Machu Picchu’s eigentlich erst gar nicht. Die Tickets haben wir bereits in Cusco gekauft und der erste Kontakt mit der Inkawelt ist in Form der Besichtigung von Sacsay Waman (spricht man ähnlich aus wie „sexy woman“) oberhalb von Cusco ist auch schon erfolgt.

Sacsay Waman, oder auch Sacsayhuamán, Cusco, Peru 2019
Sacsay Waman, oder auch Sacsayhuamán, Generalprobe zur Aufführung am Inti Raymi Fest, Cusco, Peru 2019
Sacsay Waman, oder auch Sacsayhuamán, Cusco, Peru 2019

Wir machen uns also auf den Weg ins heilige Tal der Inka entlang des Rio Urubamba. Auch wenn Machu Picchu nur etwa 70 km Luftlinie von Cusco entfernt liegt, werden es mit dem Auto doch 230 km werden. Das liegt in erster Linie daran, dass man die berühmte Inka Stätte nicht per Straße und somit bequem mit dem Auto erreichen kann. Der ganze Rummel um die Ruinen ist recht aufwändig gestaltet und zielt eher auf amerikanische Touristen und deren Geldbeutel ab. Denn zusätzlich zu den recht kostenintensiven Tickets an sich, kommt im Normalfall noch das Zugticket für jenseits der 100 US Dollar von Cusco nach Aguas Calientes (oder auch Machu Picchu Pueblo genannt), der einzigen Möglichkeit, nahe an die Stadt über den Wolken heran zu kommen. Dafür reist man aber stilecht in einem antiken Zug mit Speisewagen und allem was dazu gehört. In Aguas Calientes muss man dann natürlich in einem Hotel unterkommen. Dann wären da noch eventuelle Restaurantbesuche und der Bus hinauf auf den Berg, der pro Richtung und pro Nase mit 12 US Dollar zu Buche schlägt.

Zumindest mal die sündhaft teure Zugfahrt wollen wir uns ersparen, schließlich haben wir unser eigenes Taxi dabei. Also starten wir die Maschine und rollen durchs heilige Tal. Wir steuern Hidroelectrica an, einen kleinen „Ort“, der auf der Rückseite von Machu Picchu liegt. Von dort aus kann man sich die heilige Kultstätte erwandern. Zunächst machen wir jedoch noch einen kleinen Zwischenstopp in Ollantaytambo. Hier gibt es ebenfalls eine alte Inkaburg und deren terrassenförmige Anlagen zu bewundern. Für uns schon mal ein erster Vorgeschmack, auch in Sachen Touristenauflauf. Die Anlage ist aber insgesamt sehr schön und thront direkt über dem kleinen Dörfchen. Mit der untergehenden Sonne fangen die Sandsteine langsam an zu glühen.

Ollantaytambo, Peru 2019
Ollantaytambo, Peru 2019
Ollantaytambo, Peru 2019
Ollantaytambo, hier wird gewebt, Peru 2019

Tags drauf klettern wir mal wieder über einen 4000er Pass. Der Ábra Málaga liegt zwischen uns und unserem Ziel und ist wunderbar zu befahren. Auf der Rückseite geht es schließlich beinahe 3000 Meter zu Tale, beinahe bis in die Niederungen des Amazonasbeckens. In Santa Maria biegen wir dann auf eine kleine, holprige Schotterpiste oberhalb des Rio Urubamba ab und landen schließlich in Hidroelectrica, einem Ort, der eigentlich kein Ort ist, sondern lediglich eine Wasserkraftanlage (wer hätte das bei dem Namen vermutet). Hier stellen wir das Taxi bei einem kleinen Restaurant unter und machen uns noch am selben Nachmittag auf die 11 km lange Wanderung nach Aguas Calientes alias Machu Picchu Pueblo. Die Strecke führt immer schnurstracks entlang der Eisenbahngleise des Zuges, der von dieser Seite aus Aguas Calientes anfährt. Ein kurzer knackiger Anstieg durch einen Bananenhain und der Rest der Strecke hat kaum Gefälle, so dass der Weg in gut 2,5 Stunden inklusive einiger Fotostopps zu bewältigen ist. Was haben wir im Vorfeld nicht alles über Aguas Calientes gehört: Hässlicher Ort, alles viel zu teuer, alles nicht schön. Ich würde sagen, alles nicht wahr. Zwar fährt (oder geht) man bestimmt nicht nach Aguas Calientes, um Aguas Calientes zu sehen, aber so furchtbar ist der Ort nun auch wieder nicht. Eigentlich ist er sogar ziemlich spannend. Was der Hype um so eine Kultstätte alles auslösen kann! Sagenhaft….

 

Ábra Málaga Pass, Peru 2019
Entlang des Rio Urubamba, Peru 2019
Spricht wohl für sich, Peru 2019

 

 

 

 

 

 

Bahnhof in Hidroelectrica, Peru 2019

 

 

Stand by me style, Peru 2019
Erster Blick auf Aguas Calientes, Peru 2019

Der ganze Ort würde ohne Machu Picchu vermutlich gar nicht existieren oder es würden hier lediglich ein paar Bergbauern wohnen. Aber so? In das enge Tal sind zahllose Hotels und Restaurants gebaut. Der kleine Bahnhof liegt offen mitten im Ort (oder ist vielmehr sein Zentrum) und überall haben Künstler ihre Steinskulpturen in den Straßen behauen. Wir kommen am späten Nachmittag im Dorf an und checken erst mal in unserem Hotel ein. Das Zimmer ist zwar relativ klein, aber es gibt nicht das geringste daran auszusetzen. Für 20 US Dollar die Nacht wäre es vermessen, an einem solch touristischen Ort wie diesem hier etwas zu bemeckern.

Bei einsetzender Dunkelheit erkunden wir die steilen Straßen des Ortes und stellen fest, dass es scheinbar nicht nur ein Überangebot an Hotels gibt, sondern auch an Restaurants. Denn auch hier sind die Preise gemessen an der Prominenz der Stätte sehr moderat und liegen überraschenderweise weit unter europäischem Niveau, wenn man denn genau hinschaut. Mitten im Ort findet sich dann noch ein großer Fussballplatz, auf dem sich gefühlt die halbe Bevölkerung des Dorfes sportlich betätigt. Es gibt also viel zu entdecken, in dem ach so vermeintlich bösen Aguas Calientes. Trotzdem gehen wir halbwegs früh ins Bett, da wir morgen früh pünktlich um 7 Uhr morgens vor den Toren von Machu Picchu stehen wollen.

Aguas Calientes, Peru 2019
Bahnhof mitten im Ort, Aguas Calientes, Peru 2019
Skulptur, Aguas Calientes, Peru 2019
Pacha Mama, Aguas Calientes, Peru 2019
Kunstwerk, Aguas Calientes, Peru 2019
Sportplatz, Aguas Calientes, Peru 2019

Um 4:30 Uhr klingelt der Wecker und um 5:45 Uhr stehen wir am Bus. Einlass ist für uns 7:00 Uhr (die letzten 6:00 Uhr Tickets wurden uns vor der Nase weggeschnappt…).

Wir kommen gerade pünktlich zum Sonnenaufgang. Langsam aber sicher reichen die ersten Sonnenstrahlen wie lange Finger durch die leicht dunstige Luft über die umliegenden Berge. Das hat tatsächlich etwas mystisches. Und weil im Moment noch recht wenige Touristen in der Anlage sind, kann man es auch halbwegs genießen. Wir beobachten, wie die Schatten der Mauern und Häuser langsam über den Boden wandern und immer kürzer werden. Als die Sonne dann schließlich etwas höher steht, machen wir uns zunächst auf den Weg zur Inka Brücke.

Machu Picchu wie man es kennt, Peru 2019
An der Inka Brücke, Machu Picchu, Peru 2019

 

Steinmetzkunst, Machu Picchu, Peru 2019
Tempel des Kondor, Machu Picchu, Peru 2019
Häuserzeile und Sonnentempel, Machu Picchu, Peru 2019

Man kennt ja die Bilder von Machu Picchu und kann darauf eigentlich schon ganz gut erahnen, dass die Inka Stadt nicht gerade klein ist, aber die eigentliche Ausdehnung zwischen Sonnentor und Inka Brücke auf der einen Seite und dem Wayna Picchu (das ist der bekannte, charakteristische Berg hinter der Stadt) auf der anderen Seite, ist doch etwas überraschend. Wer sich hier alles erlaufen will, kann sich damit durchaus den ganzen Tag beschäftigen. Einziges Problem dabei ist die tatsächliche „Einbahnstraßenregelung“, die von zahlreichen, nervigen Ordnern mit TRILLERPFEIFFE konsequent durchgesetzt wird. Man kann die Wege in der Anlage also nur in eine Richtung begehen. Das und die Tatsache, dass zu jeder vollen Stunde ein neuer Schwung Touristen hinein gelassen wird, können dem mystischen Flair Machu Picchus schon den Garaus machen, man muss es leider so sagen. Zumindest jetzt zur Hauptsaison ist hier recht viel los. Wir befinden uns nämlich nur wenige Tage vor der Sonnenwende und da passieren magische Dinge im Sonnentempel. Selbigen verpassen wir auf unserem Rundweg durch Machu Picchu. Auch das liegt am Einbahnstraßensystem. Nicht alle Tempel der Anlage sind durchgehend zu besichtigen, was dem Schutze der Gebäude dienen soll und somit durchaus zu akzeptieren ist. Das Problem dabei ist allerdings, dass man eben einen der Tempel im hinteren Teil am Morgen besichtigen kann und dann nicht mehr zum Sonnentempel zurück kann, der weiter vorne liegt und erst zu einem späteren Zeitpunkt zugänglich ist. Zumindest nicht, ohne mit einer der Trillerpfeiffen aneinander zu geraten. Uiuiui, wir sind nicht die Einzigen, die das erzürnt, damit haben so einige Besucher ihre Problemchen. Wir versuchen es zunächst auf die freundliche Weise mit einem der Ordner zu erörtern, der beschreibt uns dann auch willig den Weg, der uns „zurück“ zum Sonnentempel führen soll. Als wir etwa eine Minute später plötzlich vor dem Ausgang stehen, haken wir beim selben Ordner nochmal nach. Ist doch klar: Ausgang, Eingang, nochmal zahlen, Sonnentempel; logisch….

Sonnentempel von Oben, Machu Picchu, Peru 2019

Nicht nur wir empfinden das als ziemliche Frechheit und diskutieren als nächstes mit dem Mann am Eingang. Sein Pech, dass er ausnahmsweise Englisch spricht und wir ihn dafür gleich verhaften. Nach einiger Diskussion fragt er schließlich, wie viele Personen wir seien. Da wir nur zu zweit sind, drückt er ein Auge zu und winkt uns unauffällig durch. Es ist früher Nachmittag und Machu Picchu ist jetzt ziemlich übervölkert. Aber trotzdem war die Besichtigung des Sonnentempels die Diskussion wert. Aber nicht nur die Tempelanlagen sind beeindruckend. In erster Linie ist es eine Mischung aus der abgelegenen Lage der Stadt hoch auf einem unzugänglichen Bergrücken, ihrer Größe und der unglaublichen Steinmetzkunst der alten Baumeister. Hier wurde ohne Mörtel gebaut. Jeder Stein musste per Hand auf alle benachbarten Steine angepasst werden. Und die sind nicht etwa rechteckig. Und schon gar nicht handlich. Einzelne Exemplare wiegen gleich mehrere Tonnen. Es gibt zwar mehrere Theorien wie die Inkabaumeister das gemeistert haben könnten; aber es sind eben nur Theorien. Manchmal ist es besser, einfach nur zu staunen und die Suche nach einer Erklärung bleiben zu lassen…

Wir machen uns schließlich auf den Weg zurück ins Tal und holen unseren Wanderrucksack im Hotel ab, den wir dort freundlicherweise (unentgeltlich) unterstellen durften.

Benannt nach dem „Entdecker“ von Machu Picchu, Peru 2019
Machu Picchu, Peru 2019
Machu Picchu, Peru 2019

Anschließend geht’s noch schnell die 11 km entlang der Gleise zurück nach Hidroelectrica, das wir dann am späten Nachmittag erreichen. Wir entschließen uns heute nicht mehr weiter zu fahren und die Nacht auf dem Parkplatz des kleinen Restaurants zu verbringen. Den Weg zurück über die Rüttelpiste entlang des Rio Urubamba und über den Pass nehmen wir erst am darauf folgenden Tag unter die Räder. Wir müssen wieder ganz zurück durch das heilige Tal und an Cusco vorbei. Aber auch auf dem Rückweg gibt es noch so einiges Neues, bzw. Altes zu entdecken….

 

 

So haben wir ihn also „abgehakt“. Den dicksten „Brocken im Pflichtprogramm“ eines jeden Südamerikareisenden. Das sagenumwobene Machu Picchu. Zusammenfassend können wir wohl folgendes resümieren:

Machu Picchu an sich ist wirklich beeindruckend und sehenswert. Und wer früh morgens oder am späten Nachmittag übers Gelände streift, kann es auch genießen. Leider nimmt der Menschenauflauf (von dem auch wir ein Teil sind/waren) und vor allem die grantigen Ordner dem Ganzen etwas den Charme und den mystischen Flair. Ein zweites Mal würden es vermutlich nicht machen, ein erstes Mal aber jederzeit wieder….

 

 

Übrigens-

Die Backpacker-Sparfuchs-low-budget-hardcore Variante sieht übrigens wie folgt aus:

 

  • Parken in Hidroelectrica (oder sich per Bus/Taxi dorthin kutschieren lassen).
  • Früh morgens um etwa 3:00 / 3:30 Uhr im Dunkeln die etwa 11 km an den Gleisen entlang wandern.
  • In Aguas Calientes auf ein Ticket hoffen.
  • Die etwa 1000 Höhenmeter hinauf zum Machu Picchu erklimmen.
  • Möglichst früh morgens dem Haupttouristenstrom entkommen.
  • Nachmittags wieder die 1000 Höhenmeter hinunter klettern.
  • Zurück nach Hidroelectrica wandern.
  • Und wieder retour über die Holperpiste…..
  • Alles an einem Tag erledigt.

 

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