Südamerika Argentinien

Durch das Chubut Tal bis zur Valdes Halbinsel

12.10.2018 – 15.10.2018  

Durch das Chubut Tal bis zur Valdes Halbinsel

Wir verabschieden uns von Klaus und Claudia und zockeln weiter nach El Bolson. Der Ort ist bekannt für seine Künstlerszene und im Sommer scheint hier die Hölle los zu sein. Der Künstlermarkt findet mittlerweile dienstags, donnerstags, samstags und sonntags, sowie an Feiertagen statt. Zur Hochsaison soll die Stadt dann aus allen Nähten platzen. Wir nutzen sie hingegen lediglich als weitere Versorgungsstation und machen uns dann auf den Weg zum Los Alerces Nationalpark, der für seinen über tausendjährigen Bestand an Zypressen bekannt ist. Da auch hier die Saison noch nicht begonnen hat, sind kaum andere Reisende im Park anzutreffen. Die kleinen Wanderwege sind größtenteils noch geschlossen, aber die Schottersträßchen durch den Park hindurch werden derzeit fleißig repariert. Hier sollen Butch Cassidy und Sundance Kid Zuflucht gefunden haben, schwer zu glauben, so weit weg vom Wilden Westen…

Los Alerces Nationalpark, Suedamerika 2018-2019

Der Park schmiegt sich mit seinen Wäldern und den dunkelblauen Seen malerisch in die verschneiten Anden, bis hinüber zur chilenischen Grenze. Hier und da gibt es offizielle, kostenfreie Campmöglichkeiten mit Feuerstellen. Und so wird heute im Gusseisernen Topf auf dem offenen Feuer gekocht und dann bei sternenklarer Nacht die Milchstraße fotografiert. Die Nacht ist nicht mehr ganz so kalt wie die vorherigen und die Temperaturen bleiben zur Abwechslung mal leicht über dem Gefrierpunkt.

Der gute alte Gusseisentopf, Los Alerces, Suedamerika 2018-2019

 

Sternenhimmel über dem Los Alerces, Suedamerika 2018-2019

Am Tag drauf verlassen wir den Los Alerces durchs südliche Tor und bekommen unerwartet unsere ersten Flamingos zu Gesicht. Wir kehren heute den Anden fürs Erste den Rücken und fahren ostwärts in Richtung Atlantik, zur Valdes Halbinsel. Dazu wählen wir die Route am Rio Chubut entlang. Doch zunächst kommen wir durch das kleine Städtchen Esquel. Hier findet heute so etwas wie eine Agrarmesse statt. Die Farmer der Gegend führen ihre besten Rinder und Bullen vor, darunter einige mächtige Kaliber vom „Stamme“ Angusrind. Die Tiere werden gewaschen, geföhnt, zurecht geschoren und schließlich am Ring in der Nase durch die Manege gezogen, wo sie von Preisrichtern bewertet werden. Uns hat es besonders „Don Manuel“ angetan, ein Riesenviech von einem Bullen. Auf der Nachbarkoppel machen sich die Gauchos auf ihren Pferden warm, oder lümmeln in der Sonne rum. Scheinbar findet dort später noch ein Reitwettbewerb statt.

 

Erst Waschen, Suedamerika 2018-2019
Dann schneiden und föhnen, Suedamerika 2018-2019
Don Manuel, Suedamerika 2018-2019

Auf gut gepflegter Schotterpiste folgen wir der RP 12 und recht zügig ändert sich die Landschaft von Alpin hin zu einer Westernkulisse. Man könnte meinen, gleich käme John Wayne des Weges geritten, wären da nicht z.B. die Nandus. Wir landen schließlich am Piedra Parada, einem Hotspot für Kletterer. Der große, freistehende Felsen ist vulkanischen Ursprungs und ringsum im Buschland des Rio Chubut stehen die Zelte der Klettersportler. Gar merkwürdiges scheint sich hier zugetragen zu haben, denn auf Hinweisschildern wird man darum gebeten, sich die Schuhe und sonstige Kleidung, die mit dem Flusswasser in Berührung gekommen ist, zu desinfizieren. Passende Tonnen mit den entsprechenden Flüssigkeiten stehen bereit. Auf den Schildern ist zu lesen, dass eine Alien-Spezies das Wasser verseucht haben soll, kein Scherz. Es liegt allerdings auch im Bereich des Möglichen, dass unser Spanisch für die Übersetzung des Hinweistextes noch nicht ausreicht….

Achtung Aliens, Suedamerika 2018-2019

Am nächsten Tag geht es oberhalb des Piedra Parada in die „Geierschlucht“, die eigentlich Canadon las Buitreras heißt und die auch wir erkunden wollen. Sie ist das eigentliche Ziel der Kletterer, die trotz Nebensaison recht zahlreich in den Canyon strömen. Am Eingang preist ein Warnhinweis den gelegentlich auftretenden Puma an, allerdings begegnen wir zunächst mal einem Stinktier. Zu beiden Spezies würden wir bevorzugt eine gewisse Distanz wahren und so tippeln wir auf Zehenspitzen am Skunk vorbei und schleichen uns in die Schlucht. Eine gute Stunde rein und auch wieder raus sollte man einplanen und die Wanderstrecke ist wirklich zu empfehlen. Die Geier machen sich zwar rar, nur ganz zum Schluss sehen wir zwei Exemplare, die majestätisch abheben, aber der Ausflug hat sich dennoch gelohnt.

Canadon las Buitreras am Piedra Parada, Rio Chubut, Suedamerika 2018-2019
Geier in der „Geierschlucht“, Suedamerika 2018-2019

Mittlerweile haben wir den Hinweis auf die Alien-Spezies dann doch noch verstanden. Es ist eine eingeschleppte Algenart gemeint, die sich in dem kleinen Bächlein, das durch den Canyon fließt, breit macht. Wir können also unsere Hüte aus Alufolie wieder abnehmen, es gibt hier keine Außerirdischen.

Durch unseren kleinen Spaziergang kommen wir erst um die Mittagszeit los und nehmen die etwa 200 Restkilometer der Ruta 12 in Angriff. Es geht über größtenteils passable Schotterpiste und auf der ganzen Strecke begegnen uns grade mal zwei andere Autos. Dafür gibt es Nandus zu sehen und auch unsere ersten Guanakos bekommen wir hier zu Gesicht, die wild lebenden Verwandten der  domestizierten Lamas.

entlang des Rio Chubut, Suedamerika 2018-2019

Es geht immer entlang des Rio Chubut über staubige Piste vorbei an  malerischen Sandsteinformationen. An der Strecke reiht sich Estancia an Estancia. Entweder werden Schafe gehalten oder auch mal Rinder. Schließlich treffen wir auf die RN 25, die weiter dem Lauf des Chubut in Richtung Osten folgt. Auch hier grenzt eine Estancia an die Nächste und das bringt immer kilometerlange Zäune mit sich. Das erschwert die Suche nach einem geeigneten Platz für die Nacht. In der Nähe von Paso de Indios finden wir dann eine Stelle zum Übernachten und erstmals auf der Reise bleibt es nachts halbwegs warm. Die Ruta 25 ist hier ein schlaglochübersätes Martyrium für Mensch und Maschine und das ändert sich erst, als die Straße bei Las Plumas den Rio Chubut verlässt. Ab hier ist die Strecke in gutem Zustand und wir kommen zügig voran. Nicht zuletzt wegen des immer stärker einsetzenden, patagonischen Windes, der uns in Richtung Küste bläst. Beim Öffnen der Türen muss man gehörig aufpassen, dass sie einem nicht aus der Hand gerissen werden. Das wird uns wohl in den kommenden Wochen erhalten bleiben.

Das von walisischen Einwanderern gegründete Gaiman lassen wir direkt links liegen. Der Reiseführer preist hier die Teestuben mit ihrem Gebäck und Kuchen an.

Das angrenzende Trelew streifen wir auch nur an seinen Außenbezirken. Und die bestechen durch eine enorme Menge an herumflatterndem Plastikmüll. Es soll hier das größte existierende Saurierskelett zu bestaunen geben.

Titanosaurier, Patagotitan Mayorum, in Trelew, Suedamerika 2018-2019

Das heben wir uns aber für Später auf. Uns zieht es an die Bucht der Valdes Halbinsel, den Golfo Nuevo. Vorher passieren wir aber noch Puerto Madryn. Hier hätte ich ein malerisches Hafenörtchen erwartet. Aber als wir über den Hügel kommen, liegt zu unseren Füßen ein recht großer Moloch mit Hochhäusern und einer beachtlichen Ausdehnung. Wir kaufen für die nächsten Tage ein und biegen auf die geschotterte Küstenstraße RP42, an der sich mehrere Möglichkeiten befinden auf den dortigen Parkplätzen zu campieren. Wir entscheiden uns für „la Cantera“, wo sogar Dixi Klos bereit stehen. Direkt nebenan steht ein großer Walbeobachtungsturm. Auf dem Platz begegnen wir auch das erste Mal einer größeren Ansammlung von Overlandern. Vom ausgebauten Land Rover bis zum Expeditions-LKW ist alles vertreten. Wir suchen einen Stellplatz im Gestrüpp und werfen den ersten Blick hinaus in die Bucht. Es dauert nicht lange und wir entdecken die ersten Wale. Südliche Glattwale kommen jedes Jahr um diese Zeit in die Bucht vor der Halbinsel zur Paarung. Teilweise sollen sie bis fast direkt an den Strand kommen. Im Moment tummeln sie sich allerdings noch weiter draußen. Aber wenn nachts Ruhe eingekehrt ist, kann man sie tatsächlich atmen hören, wenn sie draußen vorbei schwimmen.

Stellplatz bei la Cantera am Golfo Nuevo, Suedamerika 2018-2019

Die Hauptattraktion allerdings befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite der Halbinsel. Der Ein oder Andere hat sie vielleicht schon mal in einer Reportage gesehen; Orcas, die sich mit der Flut an den Strand werfen, um Seelöwen zu fangen. Ein Mordsspektakel für denjenigen, der glücklich genug ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein……

  1. Monika Otte

    Deine Fotos sind spitze! Wir freuen uns schon auf die, die noch kommen werden. Gruss Mama

  2. Ich mag den Namen von Eurem Lieblings-Angusrind.
    Die Berichte sind toll! Man fühlt sich für einen Augenblick als Mitreisender auf dem Rücksitz.
    Alles Gute weiterhin auf Eurer Fahrt und liebe Grüße aus dem Norden Deutschlands von
    Hanno, Monika und Manuel

    • Das ist nur allzu verständlich. Eine gewisse Ähnlichkeit ist schließlich nicht zu leugnen…..

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