Südamerika Ecuador

Ecuador’s Süden

21.02.2019 – 02.03.2019

Ecuador’s Süden

Die Grenzabfertigung ist eine der freundlichsten, die wir bislang hatten, dafür geht alles ein wenig gemächlicher von Statten. Und da wir insgesamt schon ein wenig spät dran sind, kommen wir heute auch nicht mehr weit. In Macará schlagen wir unser erstes Camp auf. Fast unmittelbar nach der Grenze geht es gleich mal steil die Wand rauf, so dass wir auf 1.000 Meter Höhe und endlich wieder gemäßigteren Temperaturen schlafen können ohne am Morgen im eigenen Saft aufzuwachen.

Nebelschwaden ziehen über die Hänge, Ecuador 2019
Es ist bergig, Ecuador 2019

Auf der weiteren Strecke von Macará nach Cuenca liegt massenweise Geröll und Schlamm auf der Straße, was uns direkt an das Erdbeben in Chile erinnert. Und dass das nicht ganz weit hergeholt ist, zeigt die nächste Nacht. Auf dem Camp in Cuenca wackelt innerhalb einer halben Stunde gleich zweimal die Erde, so dass das Taxi munter auf und ab hüpft. An diesem Morgen gibt es gleich zwei Erdbeben, deren Epizentren aber recht weit von uns entfernt liegen. Das Eine liegt im Amazonasbecken, das Andere in der Nähe von Guayaquil. Wir stehen so ziemlich in der Mitte und kriegen das Ganze nur als leichtes Geschaukel mit. Cuenca entpuppt sich als nettes kleines Städtchen auf etwa 2.500 Meter Höhe mit vielen alten, kolonialen Gebäuden im Stadtkern. Wir bleiben gleich mal ein paar Tage und schauen uns ein wenig um.

Blick auf die Kathedrale in Cuenca, Ecuador 2019
Wandmalereien in Cuenca, Ecuador 2019
Cuenca und Janina bei Nacht, Ecuador 2019
Cuenca bei Nacht, Ecuador 2019

Das nächste Ziel liegt mit Guayaquil wieder auf Meereshöhe. Der Weg führt allerdings zunächst wieder hinauf auf über 4.000 Meter durch den Cajas Nationalpark, der uns allerdings mit grauem Himmel und Dauerregen in Empfang nimmt. Wirklich schade, denn der Park gilt als Wander-Eldorado mit vielen Lagunen und reichlich wilden Tieren bis hin zu Brillenbär und Tapir. Wir bekommen allerdings lediglich ein paar Vögel und Lamas zu sehen.

Wanderweg im Cajas Nationalpark, Ecuador 2019
Lagunen im Regen im Cajas Nationalpark, Ecuador 2019

Die Straße schält sich sehr unterhaltsam die Berge hinunter vorbei an zugewucherten Hängen. Die Temperaturen steigen rapide und der Regen hört auf, was aber nicht bedeutet, dass die Luftfeuchtigkeit sinkt. Wir wechseln von kalt und regnerisch zu heiß und fast unerträglich schwül. Noch vor Guayaquil wollen wir in einem kleinen Naturreservat auf die Pirsch nach Brüllaffen gehen, was sich aber als unmöglich herausstellt. Kaum aus dem Auto ausgestiegen, werden wir von unzähligen blutdurstigen Mosquitos attackiert. Hab ich so noch nicht erlebt, das ist weit entfernt von unterhaltsam….

auf dem Weg zur Küste, Ecuador 2019

In Guayaquil gibt es eigentlich nicht viel zu sehen, außer den berühmten Leguanen im Stadtpark, wegen denen wir allerdings gar nicht hier sind. Wir suchen nach einer Möglichkeit unser Buschtaxi für eine Woche unterzustellen. Wir werden uns einen langen gehegten Traum erfüllen und für eine Woche auf die Galapagos Inseln entfliehen und mit einer kleinen Motoryacht von Insel zu Insel schippern. Unseren treuen Toyota möchten wir für diese Zeit natürlich sicher aufgehoben wissen und werden diesbezüglich im Hotel Livingston fündig. Für nur 3 Dollar am Tag darf das Taxi hier im gesicherten Innenhof stehen. Nachdem das geregelt ist, nehmen wir direkt wieder reiß aus und steuern Richtung Küste. Auf dem Weg nach Salinas stoßen wir das erste Mal auf der gesamten Reise überhaupt auf das Ärgernis von korrupter Polizei und das gleich zwei Mal innerhalb weniger Kilometer. Polizisten, die die Hand aufhalten, lassen mir gleich die Galle hochkommen und beide Cops sind erschreckenderweise noch recht jung. Man kann ihnen förmlich anmerken, dass sie mehr oder weniger kreativ nach Vorwänden suchen, mit unlauteren Mitteln Kasse zu machen. Wir diskutieren allerdings alles weg und machen deutlich, dass es bei uns nichts zu holen gibt. Als letztes Mittel hilft in solchen Fällen in der Regel unser kleines schwarzes Buch, in dem wir Ort, Datum und Namen der korrupten Polizisten notieren. Spätestens dann sind die Vorwürfe nicht mehr ganz so schlimm und der Gesetzeshüter ist nochmal bereit ein „Auge zu zudrücken“ (würg).

Trödelmarkt an der Küstenstraße, Ecuador 2019

Der Küstenstreifen nördlich von Salinas ist auch als „Golden Coast“ bekannt und lockt jährlich tausende Surfer an. In Orten wie Montañita, Olon und Puerto Lopez herrschen ideale Bedingungen für Wellenreiter. Wir suchen uns eine Unterkunft in Ayampe und werden im „Iguana“ fündig. Ayampe selbst besteht nur aus ein paar Häuschen, Hostels und sandigen Straßen. Alles geht hier sehr gemächlich zu. Genau so etwas haben wir gesucht, denn seit mehren Tagen schon sind wir beide etwas angeschlagen und lechzen nach Ruhe. Die permanenten Höhenwechsel von Meeresniveau auf 4.800 Meter und wieder runter tragen bestimmt das Ihrige dazu bei. Aber da wir beide fast zeitgleich an den selben Symptomen leiden, muss da noch was Anderes vorgefallen sein. Vielleicht ein mieses Restaurant, oder ein mieser Virus. Vielleicht haben wir auch nur mieses Wasser erwischt, Fakt ist, es geht uns beiden mies und das schon seit ein oder zwei Wochen. Bei Janina gipfelt das Ganze nun in Fieber, das zwar nicht erschreckend hoch, aber dafür erschreckend langanhaltend ist. Da ich als Erster wieder auf den Beinen bin, betätige ich mich als Krankenpfleger und eine Amerikanerin, die sich eine sehr schöne Lebensmittelvergiftung zugezogen hat, wird gleich mitverarztet. So vergehen die Tage zwischen Wadenwickeln, Suppe kochen und sich ein wenig mit den anderen Reisenden unterhalten recht schnell. Blöd nur, dass die Außentemperatur und Janina’s Körpertemperatur sich nicht erheblich von einander unterscheiden. Das zusammen mit etwa 100% Luftfeuchtigkeit sorgt dafür, dass das Fieber einfach nicht runter gehen will. In ein paar Tagen soll es auf die Galapagos Inseln gehen, aber unter den Umständen wackelt die Reise…..

Tote Hose in Ayampe (What happens in Ayampe, stays in Ayampe. But nothing ever happens in Ayampe), Ecuador 2019
Surfen im Sonnenuntergang am Strand von Ayampe, Ecuador 2019
Surfer am Strand von Ayampe, Ecuador 2019

Wir packen unsere sieben Sachen und kehren zurück nach Guayaquil, um uns für die verbleibenden zwei Nächte schon mal im Livingston Hotel einzumieten. Das Hotel ist strategisch günstig gelegen. Wenn Not am Mann ist, könnte man sogar zu Fuß zum Flughafen laufen, ansonsten für gerade ein mal zwei Dollar mit dem Taxi dorthin fahren. Fast genau gegenüber ist eine große Mall, in der es auch eine Apotheke und einen Supermarkt gibt. Und wenn es ganz hart kommen sollte, befinden sich in der Straße gegenüber zwei Krankenhäuser. In Guayaquil ist das Klima zwar auch nicht anders, als an der Küste (fast 40°C und schwül ohne Ende), aber das Livingston hat schließlich eine Klimaanlage und ist für die Preisklasse eigentlich auch ganz o.k.. Wir stellen die Temperatur auf herrlich kühle 28°C und chillen ein bisschen. Ich muss nur ab und an mal raus in den Glutofen, um Besorgungen in der Mall zu machen. So ist z.B. der Medikamenteneinkauf hoch interessant. Denn hier bestimmt die Apothekerin wie viel man von der chemischen Keule mitnehmen darf. Kurzerhand schneidet sie von den Tabletten so viele ab, wie sie für richtig hält. Weder bekommt man die ganze Packung, noch den Beipackzettel. Also genau zuhören, was zu tun und wie das Medikament einzunehmen ist.

Hier darf das Taxi 8 Tage Urlaub machen, Guayaquil, Ecuador 2019

Die Sache mit Janina’s Temperatur entwickelt sich aber noch nicht ganz zu unserer Zufriedenheit. Mal geht’s rauf, mal geht’s runter. Bereits morgen sollte es losgehen auf die Inseln. Um fünf Uhr geht der Wecker, denn um halb sechs steht das Taxi vor der Tür, um uns zum Flughafen zu bringen. Die Galapagos Inseln warten, allerdings nur, wenn die alles entscheidende Temperaturmessung um 5:01 Uhr grünes Licht gibt……

 

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