Südamerika Peru

Im Schweinsgalopp über die Panamerikana

12.02.2019 – 20.02.2019

Im Schweinsgalopp über die Panamericana

Die beiden Urlaubstage in Huacachina haben die Akkus wieder aufgeladen und mit frischem Tatendrang kämpfen wir uns durch das Verkehrschaos von Ica in Richtung Küste. Wir wählen die Piste in Richtung Strand von Carhuas und kommen wohl an der Werkstattmeile der Dünenbuggies vorbei. Gut, dass wir unsere Tour bereits gestern gemacht haben…..

Der Weg raus aus der Stadt ähnelt dem Weg hinein. Man könnte meinen, man fährt über eine Müllhalde. Die Straße durch das Dünenfeld in Richtung Küste ist mehr oder weniger befestigt und wirklich nicht schön zu fahren. Eine einfache Sandpiste wäre uns lieber als dieses knüppelharte Geholper. Wir kommen bei trüb-grauem Himmel gut durchgeschüttelt am Meer an und zusammen mit der annähernden Windstille wirkt es hier fast trist und trostlos. Wir entscheiden uns aber dennoch, eine Nacht hier zu verbringen und den Weg in Richtung Paracas Nationalpark erst morgen fortzusetzen. Wieder einmal springen wir zwischen den Felsen am Strand herum und beobachten die Tierwelt, die auf den zweiten Blick wesentlich reichhaltiger ist, als es zunächst scheint. Als Erstes fallen uns mal die rosa Flamingos auf, die am Strand herum staksen. Aber auch Kormorane, Pelikane, Austernfänger und etliche Vögel, die wir nicht identifizieren können, hocken auf den Felsen. Im Wasser tauchen ein paar Schnorchler herum und scheinen irgendwas zu suchen. Dabei werden sie von einem Seelöwenmännchen neugierig umkreist. Janina ist später sogar der Meinung, sie hätte ein paar Delfine gesehen. Ich kann dagegen nur mit einer Ratte aufwarten.

Mr. Crabb Paracas Nationalpark, Peru 2019
Paracas Nationalpark, Peru 2019

Irgendwann kommt dann doch noch die Sonne raus und nun zeigt die Küste, was sie wirklich kann. Mit der Sonne nimmt der Wind und somit allmählich auch der Seegang zu. Die grün-blaue See brandet mit weißer Gischt, durch die die rosa Flamingos stolzieren, an den jetzt gelb leuchtenden Strand. Durch die aufreißende Wolkendecke wandern Sonnenstrahlen wie Finger über die glitzernde Wasseroberfläche und hier und da scheint der blaue Himmel durch. In der Ferne liegen Insel und Landzungen im Dunst des anbrandenden Meeres und runden das Panorama ab. Wow, kriegt man so nicht auf ein Foto, muss man gesehen haben.

Kormorane und Pelikan im Paracas Nationalpark, Peru 2019
Flamingos im Paracas Nationalpark, Peru 2019

Der Sand im Paracas ist zwar sehr schwer und kompakt und somit auch größten Teils mit einem 2WD zu befahren, aber ein paar Stellen gibt es dann doch, die 4×4 erfordern. Der südliche Teil ist menschenleer und ungestört cruisen wir durch die Landschaft. Im Norden ändert sich das dann allmählich. An den Aussichtspunkten finden sich bereits wieder die ersten Touribusse, Zeit zu verschwinden.

Paracas Nationalpark, Peru 2019
Paracas Nationalpark, Peru 2019

Eigentlich hat Lima uns nie etwas getan, aber schon bei unserer ursprünglichen Planung, die noch Venezuela beinhaltete, hatte es keine Rolle gespielt. Die damalige Route hätte durch die peruanischen Berge geführt und wir hätten die Hauptstadt links liegen lassen. Da aber die internationale Staatengemeinschaft wieder einmal unfähig ist, Menschen in höchster Not zu helfen, hat sich die Lage in Venezuela derart zugespitzt, dass es einfach unangebracht und mittlerweile auch wohl nicht mehr möglich ist, das Land zu besuchen. Wir haben längst umgeplant und werden wohl in Kolumbien umdrehen und Ecuador und Peru zwei Mal besuchen. Somit können wir uns ersparen, während der Regenzeit durch die Hochanden fahren zu müssen. In letzter Zeit haben wir wenig Gutes aus dieser Region gehört. Die lokalen Medien berichten sogar über eine Überschwemmung in Iquique! Die ganze Strandpromenade stand unter Wasser. Auf der Strecke Richtung Arequipa, die wir noch als Umleitung fahren mussten, wurde eine Brücke weggerissen, so dass nun diese Straße unpassierbar ist. Wir selber mussten schon durch die eine oder andere Straßenüberschwemmung und haben uns auch bereits in den Bergen Wettrennen mit den Wassermassen geliefert. Andere Reisende zeigen uns Aufnahmen von Freunden, die an einem Bergpass mehr oder weniger an einem Wasserfall festhängen, der da so vorher nicht war. Kurzum, die Regenzeit in den Anden ist nicht zu unterschätzen und so kommt es uns fast entgegen, dass wir unsere Route anpassen mussten. Aber Lima passt da nach wie vor nicht rein. Wir stoppen zwar an einem Hostel in der Stadt, aber der Innenhof steht bereits so voll, dass wir leider nicht mehr mit reinpassen. Die anderen Möglichkeiten probieren wir erst gar nicht aus und fahren gleich durch den Moloch durch. Dabei ist der Verkehr in der Hauptstadt keinesfalls so krass, wie vielerorts beschrieben. Jedenfalls nicht tagsüber. Zwar fährt hier jeder für sich selbst und gegen alle Anderen, aber eigentlich nichts Ungewöhnliches für hiesige Verhältnisse. Aus 4 Spuren werden acht und die Mopedkuriere flitzen immer noch mitten durch. Wer den Anderen ausbremst scheint Extrapunkte zu bekommen und derjenige, der es schafft sich an allen vorbei zu drängen, dass er die Kreuzung so blockiert, dass der Verkehr endgültig zum Erliegen kommt, ist der König. Man könnte sagen: gelebter Darwinismus, wer bremst verliert und wird gefressen. Allerdings haben wir das in Damaskus und Kairo auch schon schlimmer erlebt.

Drei Stunden nach dem wir die Stadt vom aufgeräumten Süden mit seinen Hochhäusern und Banken „betreten“ haben, spuckt uns Lima am nördlichen Ende mit seinen ärmeren Vierteln wieder aus. Wir ziehen immer weiter die Küstenautobahn hoch und nehmen erst bei Trujillo wieder etwas Fahrt raus. Hier schnuppern wir mal wieder etwas Kultur. Schon lange vor den Inka haben hier die Moche gelebt und mit der Huaca del Sol und der Huaca del Luna zwei große Tempelanlagen in Form von Pyramiden erbaut. Dabei haben sie die typische Adobe-Bauweise genutzt, bei der die Lehmziegel nicht gebrannt, sondern lediglich luftgetrocknet werden. Über die Jahrhunderte hat es dann wohl doch den ein oder anderen Regenschauer zu viel gegeben, so dass die Pyramiden heute eher aussehen wie große ausgespülte Lehmhaufen, denen man als Laie ihre Bedeutung nicht ansieht. Vor gar nicht allzu langer Zeit haben sich dann ein paar Wissenschaftler daran gemacht, die Lehmhügel etwas genauer zu untersuchen und haben dabei erstaunliches zu Tage gebracht. Schicht für Schicht wurde abgetragen und die Tempelanlage wieder freigelegt. Zumindest die Huaca del Luna kann somit bereits wieder besichtigt werden, an der Huaca del Sol wird derzeit noch nicht gearbeitet. Die Moche waren wohl dem gelegentlichen Menschenopfer nicht abgeneigt. Dabei traten scheinbar zwei Krieger gegeneinander an, wobei es nicht beabsichtig war, seinen Gegner zu töten, sondern ihn nur zu überwältigen. Der Unterlegene wurde dann in den Tempel gebracht, wo er seinem zeremoniellem Schicksal zugeführt wurde.

Blick auf die Huaca del Sol von Huaca del Luna aus. Trujillo im Hintergrund, Peru 2019
Adobe Ziegel an der Huaca del Luna, Jede Familie brachte ihr eigenes Zeichen auf, Peru 2019
Huaca del Luna, Wandreliefs, Peru 2019

Auf der anderen Seite von Trujillo befindet sich dann mit Chan Chan noch eine der größten zugänglichen Adobe-Städte überhaupt.

Chan Chan, Wandreliefs, Peru 2019
Chan Chan, überdachte Ausgrabungsstätte, Peru 2019

Trujillo an sich ist zwar eigentlich auch ganz nett, wir steigen aber in einem kleinen Hostel im Nachbarort Huanchaco ab und treffen mal wieder auf andere Overlander. Zwei Amerikaner, zwei weitere Deutsche und ein Holländer stehen mit uns zusammen im Innenhof von Amelia und allen geht es ähnlich wie uns, dieser Landstrich von Peru kann keinen von uns so richtig begeistern. Es gibt einfach landschaftlich schönere Ecken und die haarsträubende Vermüllung trägt auch nicht unbedingt zum Wohlfühlfaktor bei, darin waren sich bis jetzt alle Reisenden, die wir getroffen haben einig. Huanchaco an sich ist allerdings ganz interessant. Direkt am Meer gelegen ist es scheinbar ein Wochenendausflugsziel, denn hier ist mal richtig Hully Gully. Am Strand stehen auch noch die traditionellen Schilfboote der Fischer, mit denen sie auch heute noch aufs Meer hinaus fahren.

Am Strand von Huachaco, Peru 2019
Die traditionellen Fischerboote aus Schilf am Strand von Huachaco, Peru 2019
Sonnenuntergang in Huachaco, Peru 2019

Wir schauen uns das Treiben ein paar Tage an und zockeln dann Weiter Richtung Norden und werfen bei Chicama einen Blick auf die vermutlich längste Linkswelle der Welt. Aber da es hier außer für Surfer nichts wirklich Schönes zu sehen gibt steuern wir gleich weiter Richtung Chiclayo. Hier kann man durch die alten Marktgassen des Mercado Modelo toben, die einem arabischen Souk nicht ganz unähnlich sind. Ein Highlight ist immer wieder die offene Fisch- und Fleischabteilung bei 35°C im Schatten. Und sogar eine Maggifrau hat hier ihren Stand aufgebaut…..

Mercado Modelo in Chiclayo, Peru 2019
Mercado Modelo in Chiclayo, Peru 2019

Unweit des alten Marktes findet sich auch wieder eine Autohöker Meile. Das Abschmierfett ist uns ausgegangen und bislang hatten die „Lubricentros“ immer nur so eine zähe, schwarze Pampe, die mir auf gar keinen Fall ans Auto kommt. Hier versuche ich noch mal mein Glück und finde aber zunächst wieder nur lauter China-Schrott. Bis einer der Caballeros aus einem der ansässigen Läden zu bemerken scheint, dass ich nicht so recht weiterkomme. Er sieht zwar aus wie der Steinbeißer aus der Unendlichen Geschichte, scheint aber das Herz am rechten Fleck zu haben. Wenn da nur das Kommunikationsproblem nicht wäre, das kann unmöglich Spanisch sein, was der da spricht. Letztendlich können wir dann klären, was genau ich suche und schon geht’s los im leichten Laufschritt bei jenseits der 40°C in praller Sonne durch enge Gassen, durch einen Hauseingang bis in einen Innenhof, in dem man auch ungestört einen törichten Gringo beseitigen könnte. Aber siehe da, hier hat jemand seinen Stand mit Schmierstoffen aufgebaut. Und er führt sogar Abschmierfett im Sortiment, jippie. Natürlich nicht das Gute von zu Hause, aber das Zeugs sieht genauso aus, riecht und schmeckt so und ist deutlich vertrauenserweckender als alles Andere, was ich bisher gefunden habe. Also ist es gekauft und auch der Steinbeißer freut sich, dass wir erfolgreich waren. Wir verabschieden uns freundlich voneinander (jedenfalls gehe ich davon aus) und nach nicht einmal einer halben Stunde Sucherei erlöse ich Janina, die im brütend heißen Auto gewartet hat, von ihrem Schicksal.

Chiclayo, Peru 2019
Normales Strassenbild, Chiclayo, Peru 2019

Es zieht uns weiter Richtung Ecuador, denn dort ist die Regenzeit nicht ganz so ausgeprägt wie in Peru. Vorher müssen wir aber noch die ein oder andere Wasserdurchfahrt meistern. Zunächst ist das auch alles kein Problem, die Durchfahrten sind eher kurz und die Einheimischen nutzen die Furten um ihre Kleidung, Kinder, Mopeds, Autos und auch schon mal ganze Busse zu waschen. Es ist natürlich immer die letzte Flussdurchfahrt, die das Ganze noch mal spannend macht. Denn in der ist bereits ein recht großer Laster gekentert. Die Wasserdurchfahrt ist gute 100 Meter lang, das Wasser zwar nicht erschreckend hoch, aber doch einigermaßen schnell. Auf beiden Seiten des Flusses stehen bereits zig Schaulustige und Badende bereits. Auch die Polizei ist zur Stelle, um zu verkünden, dass es hier kein Durchkommen mehr gibt. Eine kurze Diskussion entsteht und schnell hat sich eine stattliche Menschentraube um das Buschtaxi gebildet. Nachdem der Dorfsheriff sichergestellt hat, dass unser Fahrzeug über einen funktionierenden Allradantrieb verfügt, ist er nicht ganz abgeneigt einem Versuch der Querung zuzustimmen. Schließlich sei der auf der Seite liegende LKW ja bereits gestern in den Fluten umgefallen und da war das Wasser noch viel höher gewesen. Ah ja. Ich spring schon mal aus den Flippflopps und möchte pflichtbewusst die Furt „ablatschen“, wie man das halt so macht, aber das findet der Sheriff nicht so gut und pfeift mich zurück, viel zu gefährlich. Nun ja, eigentlich sagt man ja: if you can’t walk it, don’t drive it“, diesmal muss es aber auch so gehen. Während ich also draußen die Lage checke, hat doch tatsächlich ein ganz Schlauer aus der Menschentraube festgestellt, dass es sich bei Janina um eine Gringo Mamasita handelt. Ein ganz helles Köpfchen…. Wir sperren die Freilaufnaben, legen die Untersetzung ein und wagen einen Versuch. Der Dorfsheriff schärft uns noch mal ein: „mucho suave“ (ganz sachte) und „derecha“ (immer schön rechts fahren). Das Wasser hat schon spürbar Kraft, ist aber im Prinzip kein Problem. Wir kommen unbeschadet beim Polizeiposten auf der anderen Seite an und werden eher unfreundlich in Empfang genommen. Während uns einer der Polizisten anraunzt, telefoniert der andere scheinbar mit dem Dorfsheriff auf der anderen Seite und staucht den ordentlich zusammen. Offensichtlich herrscht Meinungsverschiedenheit bzgl. der Passierbarkeit.

Uns trennen nur wenige Kilometer von der ecuadorianischen Grenze, aber auch einige der Dörfer, die wir noch passieren, hat die Regenzeit offensichtlich etwas härter mitgenommen, denn hier und da sind Schlammlawinen durch die Straßen geflossen, dass man meinen könnte, es handelt sich um Offroadpisten. Da wartet einiges an Aufräumarbeiten.

Die PanAm in Peru, Peru 2019

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