Südamerika Argentinien

El Calafate und der Perito Moreno Gletscher

07.11.2018 – 14.11.2018

El Calafate und der Perito Moreno Gletscher

Donnerwetter! Heute haben wir mit der Piste aber mal so richtig daneben gegriffen. Eigentlich wollten wir von Puerto Deseado zum Nationalpark Bosques Petrificados, in dem es versteinerte Bäume zu bestaunen gibt und das möglichst auf Schotterstrecken. Aber diese hier hätten wir uns besser gespart. Auf einer der verzeichneten Pisten kommen wir aufgrund eines verschlossenen Estancia-Tores nicht weiter, eine Andere ist zwar auf der Reise know how Karte zu finden, in Realität aber nicht da. So mühen wir uns ohne Alternative dieses holprige Etwas entlang, bis wir schließlich viel zu weit südlich wieder auf die Ruta 3 stoßen. Zum Nationalpark wäre es jetzt ein ziemlicher Umweg. Da wir versteinerte Bäume auch schon mehrfach an anderer Stelle gesehen haben, beschließen wir diese hier auszulassen.

Wir landen an einer YPF Tankstelle und verbringen die Nacht dort. YPF ist quasi das Gegenstück zu den Copec Tankstellen in Chile. Es gibt ein Cafe, die Duschen sind umsonst und bei der hier gibt es sogar ein Restaurant. Plötzlich stehen 2 LKW hinter uns, voll beladen mit Ferraris. Es stellt sich allerdings die Frage, auf welcher Straße man diese flachen Sportwagen hier fahren kann. Wir haben noch keine gefunden, die diese Autos überleben würden. Die argentinischen Trucker sind leider ein wenig umtriebiger als die Chilenischen. Es herrscht die ganze Nacht Trubel an der Tanke und wir bekommen kaum ein Auge zu.

Nachts an der YPF Tankstelle

Die Route führt weiter über Puerto San Julian, wo es eine Nachbildung von Ferdinand Magellan’s Weltumrundungs-Schiff Victoria zu sehen gibt und wir uns ein wenig am schön gelegenen Camino Costero vergnügen. Hier gibt es zahllose Möglichkeiten für ein Wildcamp. Tags drauf wartet allerdings leider eine handfeste Enttäuschung auf uns. Der Monte Leon Nationalpark hat (tatsächlich) geschlossen. In den letzten Tagen haben wir dazu widersprüchliche Infos gelesen. Die offizielle Homepage der Parkbehörde sagte aus, der Park sei geöffnet, andere Quellen versicherten, er sei geschlossen. Leider bleiben uns die hier leben Pumas, die des Nachts Pinguine vom Strand holen, verborgen.

Magellan’s Victoria
Monte Leon Nationalpark

Das Wetter am Ende der Welt ist derzeit maximal Bescheiden, daher ziehen wir kurzerhand El Calafate und den Perito Moreno Gletscher vor. Zumindest mit dieser Endscheidung liegen wir goldrichtig. Wir haben 3 Tage lang fast durchgängig bestes Wetter um die Gegend zu erkunden. El Calafate an sich ist für uns die erwartete Touri „Hölle“, inkl. der dazu gehörigen Souvenirläden. So viele Menschen auf einem Haufen haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Der Ort ist der Ausgangspunkt zum Nationalpark „Los Glacieres“. Es gibt hier nämlich nicht nur den Perito Moreno zu sehen, sondern auch den Viedma und den Upsala Gletscher. Als erstes fällt einem allerdings der Türkisfarbene Lago Argentino ins Auge, malerisch gelegen am Fuße der schneebedeckten Anden.

Willkommen in El Calafate
Caracara

Wir lösen unser Ticket am Parkeingang und rollen über ein kleines, kurviges Sträßchen in Richtung Gletscher. Schon aus der Ferne weiß der mit seiner Größe zu beeindrucken. Steht man allerdings auf einem der aufwändig angelegten Wanderwege direkt gegenüber, verschlägt es einem die Sprache. An den Seiten misst Perito Moreno 40 Meter Höhe, in seiner Mitte sind es ganze 70 Meter. Hellblau strahlen einem die Eismassen entgegen, die sich ihren Weg von den hochgelegenen Bergen ins Tal bahnen und dann hier in den Lago Argentino kalben. Weht der Wind vom Gletscher her, bekommt man einen eisigen Hauch ins Gesicht. Ein permanentes Knacken und Knistern, ein Stöhnen und Ächzen dringt zu uns herüber. Dann und wann ist ein Grollen wie weit entfernter Donner bei Gewitter aus dem Inneren des Eises zu vernehmen. Die Brocken, die hin und wieder ins Wasser plumpsen, haben durchaus das Gewicht eines Kleinwagens. Bricht eine der Säulen ab, stürzt gleich ein ganzer Omnibus in den See. Entsprechend ist die Geräuschkulisse.

Perito Moreno
Perito Moreno, Eis soweit das Auge reicht

Es ist schwer dieses Naturereignis mit Worten zu beschreiben und genau so schwer ist es sich von ihm loszureißen. Aber schließlich brechen wir auf zu unserem heutigen Camp. Am Lago Roca kann man kostenfrei stehen. Der Clou dabei ist, dass man dort sein Parkticket von den Rangern abzeichnen lassen kann und somit einen weiteren Gratistag im Nationalpark geschenkt bekommt. Gratis campen wird also mit einem weiteren Gratis Tag belohnt. Macht vielleicht unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht unbedingt Sinn, aber vielleicht versucht die Parkverwaltung so das Wildcampen im Park einzudämmen.

Wir nehmen das Angebot gerne an und verbringen einen zweiten Tag am Gletscher, der aufgrund des „warmen“ Wetters recht aktiv ist. Beinahe hätte aber die Armada an Ferraris dem Gletscher die Show gestohlen, die gesammelt auf dem unteren Teil des Parkplatzes versammelt ist. „Unsere“ Renner aus Maranello von der YPF Tankstelle werden wohl auch dabei sein. Man lässt also seinen Sportwagen bis zu einer Straße transportieren, auf der man ihn dann auch bewegen kann…..

Ferrari days am Perito Moreno

Auch die zweite Nacht verbringen wir auf dem Lago Roca Camp und kraxeln am nächsten Tag auf dem Cerro Cristal herum. Wer es bis ganz auf den Gipfel schafft, hat von hier aus die Möglichkeit, von hoch oben in den Torres del Paine Nationalpark in Chile zu blicken, unserem nächsten Ziel.

Ausblick vom Cerro Cristal mit Perito Moreno im Hintergrund
Lamm am Spieß mag ich auch

Der Weg per Straße dorthin wird allerdings mal wieder echt patagonisch. Der Landcruiser muss all seine Kräfte aufbieten, um sich durch den Wind zu kämpfen. Wir überqueren die Grenze in einem kleinen Örtchen namens Dorotea. Die letzten Tage haben wir bereits daran gearbeitet unsere Vorräte so aufzubrauchen, dass uns die Chilenen möglichst wenig davon konfiszieren. Aber zunächst reisen wir nach einigen spannenden Wochen innerhalb weniger Minuten aus Argentinien aus. Als wir das Büro des argentinischen Zolls verlassen tanzen kleine weiße Schneeflocken um uns herum….

  1. Marie-Theres Altmeppen

    Wow, was für Eindrücke 👍und die Fotos……👌 Superschön
    Wir sind sehr gespannt auf weitere tolle Berichte, die Spaß machen zu lesen und Bilder, die beeindruckender nicht sein können.
    Weiter so
    👥

  2. Sascha Lamm

    Hallo Urlauber,

    wahnsinns Berichte und atemberaubende Bilder, sehr geil.
    Die Berichte zu lesen, ist echt fesselnd, du schreibst wie ein weltberühmter Autor.
    Ich wünsche euch noch viele weitere Abenteuer, an denen wir gespannt teilnehmen dürfen.

    LG
    Sascha

  3. Ich hoffe dem Pinguin den ihr mir mitbringt geht es gut! Seid freundlich zu ihm.
    Viel Spaß weiterhin 🙂

    • Dem geht’s gut. Wir haben ihn aufs Dach geschnallt, da ernährt er sich von den Insekten, die vorbei fliegen. Falls du uns besuchen kommst kannst du gleich daneben Platz nehmen…

      • Sascha Lamm

        Da muss ich mich mal dem Flo anschließen und nach unseren Panflöten fragen?
        Wir wollen ja nicht, dass der Pinguin auf dem Dach einsam wird. Allerdings, sehen Panflöten auf dem Dach etwas albern aus. Naja ein Pinguin sieht auf dem Dach ja auch nicht besser aus 😉

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