Südamerika Argentinien

Halbinsel Valdes (die Zweite)

22.10.2018 – 28.10.2018

 

Halbinsel Valdes (die Zweite)

 

Auf dem Weg zurück nach Puerto Madryn sammeln wir schnell noch ein paar Karmapunkte. Ein älteres Ehepaar ist mit seinem kleinen PKW von der Schotterpiste abgekommen und steckt nun im weichen abschüssigen Teil der Straßenböschung fest. Mehrere Fahrzeuge haben bereits angehalten und mit vereinten Kräften wird nun versucht, das Vehikel zu bergen. Bei dem Winkel und dem losen Untergrund ist das allerdings zum Scheitern verurteilt. Also schreitet Team Abenteuerbus zur Rettung. An dem havarierten Fahrzeug findet sich natürlich nirgends ein Abschlepphaken und auch das Bordwerkzeug, wo sich dann normalerweise ein Einschraubhaken finden lässt, glänzt durch Abwesenheit. Die daher naheliegende Frage, ob es sich um ein Mietauto handelt, wird von den Umstehenden unter wissendem Gelächter mit „si“ beantwortet. Also wird das Abschleppseil kurzerhand um die Hinterachse gebunden und schon kann die Bergung losgehen. Wenig später steht der kleine PKW wieder mit allen vier Rädern auf der holprigen Schotterpiste. Großes Verabschiedungsbohei mit Küsschen und Winkewinke.

Die Karmapunkte scheinen aber noch nicht auf unserem Konto angekommen zu sein, denn kurze Zeit später rammt uns jemand beim Parken seine Autotür in Seite. Eine schöne Delle mit dem Lack des Kontrahenten ist das Resultat und natürlich ist der Verursacher unerkannt und unbestraft über alle Berge. Alles Grummeln hilft nix, es wird nicht die letzte Heldennarbe für den Landcruiser bleiben. Dem Parkrempler wünschen wir trotzdem nix Gutes.

So nach und nach treffen alle anderen Overlander, die wir in den letzten Tagen getroffen haben, ebenfalls hier auf dem Campingplatz in Puerto Madryn ein. Wir nehmen den Service einer Wäscherei in Anspruch (die beinahe die Hälfte unsere Wäsche verschludert hätte) und arbeiten ein wenig an der Homepage, die irgendwie noch nicht so richtig laufen will. Eigentlich sollte das Internet hier auf dem Platz ganz okay sein, wären da nicht Heerscharen von jungen Marine-Akademie-Schülern, die mit ihren Smartphones das ganze WiFi aufsaugen.

Wir lungern ein wenig auf dem Campingplatz herum und sind uns recht bald einig, dass wir die Halbinsel ein zweites Mal in Angriff nehmen werden.

Erneut starten wir mit dem Platz „la Cantera“ am Golfo Nuevo. Hier ist einiges geboten. Etliche Glattwale, oder auch Südkaper genannt, tummeln sich in Strandnähe. Sofern wir beurteilen können, fast alles Mütter mit ihren Kälbern. Es wird gesprungen und mit den Flossen aufs Wasser geklatscht und einer der Wale scheint den Kopfstand für sich entdeckt zu haben, es schaut permanent seine Schwanzflosse senkrecht aus dem Wasser. Ein faszinierendes Schauspiel. Seht euch mal den Wikipedia Eintrag zu den Südkapern an, da gibt es ein paar ganz interessante Fakten…….

Nach zwei Nächten zieht es uns aber wieder in den Nationalpark. Früh morgens geht es los und wir steuern direkt Punta Caletas an. Zwei Stunden vor Höchststand der Flut sind wir an Ort und Stelle. Das Wetter ist heute mal wieder durchwachsen und vom Auto aus beobachten wir, wie die Flut mit einer gewaltigen Strömung in die Lagune drückt. Von Walen allerdings keine Spur. Nach ein paar Stunden beschließen wir erneut, Punta Norte eine Chance zu geben und fahren entlang der Lagune, als wir am Straßenrand einen jungen Kerl beobachten, der aus den Büschen gesprintet kommt und dann sein Auto mit durchdrehenden Rädern wendet. Das scheint verdächtig und wir sehen uns die Lagune mal genauer an. Und was soll ich sagen? Da unten schwimmt tatsächlich eine Gruppe Orcas an uns vorbei. Scheinbar eine Familie, bestehend aus Papa Wal, zu erkennen an seiner großen Rückenflosse, Mama Wal und zwei Kleineren.

Sie schwimmen in Richtung Lagunenausgang, dort wo sich die Seelöwenkolonie befindet. Also müssen wir ebenfalls wieder Retour noch Caletas. Die Wale ziehen vorbei an der Pinguinkolonie, die das überhaupt nicht juckt, und auch vorbei an einer Estancia, ein leicht surreales Bild. Wir platzieren uns strategisch günstig bei Caletas und warten auf das Erscheinen der Orcas. Die Seelöwen hüpfen nach wie vor lebensfroh durch Wasser und scheinen sich der Gefahr nicht bewusst. Mit den Ferngläsern spähen wir die Lagune entlang und können schließlich die Rückenflossen der Schwertwale im Wasser ausmachen. Der Erstschlag auf die Seelöwenkolonie findet noch auf der Innenseite der Lagune statt und plötzlich brodelt das Wasser vor flüchtenden Seelöwen. Überall schießen die glatten Körper aus dem Wasser, als die Robben versuchen sich an Land zu retten. Hin und wieder sieht man Wasser aufspritzen, aber scheinbar haben die Wale vorerst ihr Ziel verfehlt.

Sie beginnen, im Wasser vor dem Strand auf und ab zu patrouillieren, um nach dem besten Punkt für einen Angriff zu suchen. Das Ganze scheint eine Lehrstunde für die jungen Wale zu sein, denn es werden verschiedene Manöver geprobt. Eine Schwanzflosse schnellt aus dem Wasser und schlägt dann wieder hart auf, oder die ganze Gruppe nimmt zusammen Fahrt auf und hält auf das Ufer zu. Dabei erzeugen sie eine beachtliche Bugwelle, mit der sie sich auf den Strand werfen könnten, aber alle Manöver werden frühzeitig abgebrochen.

So geht das eine ganze Weile und wer nun denkt, dass sich die Seelöwen währenddessen nicht ins Wasser trauen, sieht sich getäuscht. Tatsächlich gibt es einige lebensmüde Exemplare, die den Schwertwalen nach jedem Angriff ein Stück ins Meer hinter her schwimmen, als würden sie sie vertreiben wollen. Tja, in jeder Gruppe findet sich mindestens ein Depp…..

 

Nach etwa zwei Stunden ist das Schauspiel vorbei und die Wale ziehen ohne Beute aufs offene Meer hinaus. Wir sind erstmal baff und können nun den Punktestand erleichtert wie folgt korrigieren:

Valdes: 1

Team Abenteuerbus: 1

Die Rückkehr auf die Halbinsel hat sich also gelohnt.

Weil wir schon mal da sind und die Gezeiten so günstig liegen, finden wir uns am nächsten Morgen wieder ca. 1,5 Stunden vor Wasserhöchststand am gewohnten Platz ein und können es fast nicht glauben. Da draußen schwimmt schon wieder ein Schwertwal. Leider ist das Wetter heute extra-mies und wir stehen draußen im Regen. Der Wal biegt in Richtung Süden ab und patrouilliert dicht am Strand entlang, um hier und da ein Blick auf den Strand zu riskieren. Leider bin ich mit der Kamera immer den entscheidenden Schritt zu spät, aber Janina bekommt ihn einmal zu Gesicht, als er seinen Körper sachte auf den Kies schiebt, um dort die Seeelefanten abzuchecken. Schade, das hätte das Foto des Tages werden können, aber so bekomme ich wieder nur den Rücken abgelichtet.

 

Das Wetter klart auf und wir verbringen eine ganze Weile an Ort und Stelle, in der Hoffnung, dass der Wal nach seiner Erkundungstour wieder den Strand herunterschwimmt, um an der vielversprechendsten Stelle zuzuschlagen. Aber leider tut er uns diesen Gefallen nicht. Aber wir verbuchen diese erneute Begegnung als Erfolg und korrigieren nochmals:

Valdes: 1

Team Abenteuerbus: 2

Wir können der Halbinsel also getrost den Rücken kehren und ziehen ab. Allerdings nicht, ohne noch eine Nacht am Golfo San Jose zu verbringen. Hier werden wir am frühen Morgen durch die Glattwale geweckt, die weit draußen in der Bucht springen. Teilweise scheinen sie mit ihrem ganzen Körper aus dem Wasser zu schießen und beim Aufprall auf die Oberfläche gibt es einen lauten Knall, der sich anhört, wie ein weit entfernter Kanonenschuss. Dazu hallt das röchelnde Geräusch ihres Atems durch die Bucht. Eine interessante Frühstückskulisse.

Wir verlassen Valdes und rollen zunächst wieder zurück nach Puerto Madryn. Das Wetter scheint langsam aus dem Knick zu kommen und so können wir die Weiterreise in den Süden langsam in Angriff nehmen. Nächster Halt: Feuerland. Das Ende der Welt liegt nur noch 2.500 km entfernt. Dazwischen? Patagonien: Viel Wind, viel Gegend, viel zu entdecken. Wir sind gespannt.

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