Südamerika Chile

Carretera Austral

08.12.2018 – 20.12.2018

Carretera Austral

Die Carretera Austral fährt man nicht, um ein Ziel zu erreichen. Man bereist sie, um auf ihr seine Zeit zu verschwenden und die unglaubliche Naturkulisse zu bewundern, durch die sie hindurchführt. Über 1.300 km wahr gewordener Traum von Schotter, Sand und manchmal auch Dreck führen durch eine der abgelegensten Gegenden Chile’s und sind somit Sehnsuchtsziel fast aller Overlander. Zumindest wenn man den gängigen Klischees glaubt.

Der Ursprung der Straße, weniger ausschweifend auch einfach Ruta 7 genannt, findet sich, wie so oft in der Geschichte der Menschheit, in einem völlig unromantischen, weil militärischen Grund. Chile und Argentinien waren sich in der Vergangenheit nie ganz grün und sind es teilweise auch heute noch nicht. Der Südzipfel Chile’s ist aber auf dem Landweg nicht zu erreichen, da zahllose Flüsse, Fjorde, Seen und Gebirgszüge im Wege sind. Die Landschaft ist eigentlich zu zerklüftet, als dass man mit vertretbaren Mitteln eine Straße durch sie hindurch bauen könnte. Spätestens am südlichen Eisfeld ist Schluss. Wollte man also die südlichste Provinz Chile’s versorgen, musste auf Schiffe und Flugzeuge zurückgegriffen werden. Der Landweg führte nur über das Territorium des verhassten Nachbarstaates Argentinien. Es war der Ex-Präsident und Diktator Pinochet, der aber genau diese Landverbindung zu Stande bringen wollte. Ob nun aus Prestige Gründen, oder um im Falle eines argentinischen Übergriffes auf den chilenischen Süden schneller reagieren zu können, sei mal dahin gestellt. Aber auf sein Geheiß hin waren bis zu 10.000 Soldaten damit beschäftigt die künftige Traumstraße durch die Kalt-Regenwälder zu planieren, zu roden und wo es sein musste mit bloßer Gewalt hinein zu sprengen. Bis heute ist die Straße aber noch nicht fertig gestellt und endet derzeit kurz hinter einem kleinen Örtchen namens Villa O’ Higgins. Als Startpunkt gilt Puerto Montt, von wo aus man gleich eine von mehreren Fähren auf dem Weg nach Süden nehmen muss. Die Carretera Austral ist also eine etwa 1300 km lange Sackgasse. Dementsprechend ohne Durchgangsverkehr, dafür aber mit viel, teilweise recht ruppiger Piste und atemberaubender Szenerie. Somit war das Traumziel geboren. Allerdings gibt Chile sich alle Mühe die Straße im Süden fertig zu stellen und von Norden her immer größere Teilstücke zu asphaltieren, bzw. zu betonieren. Für den Puristen wird die Straße damit weichgespült und glattgebügelt. Der Traum aller Abenteurer ist also bedroht. Wer die Carretera Austral noch mit ihrem rauen Charme kennen lernen möchte, sollte das nicht mehr auf die allzu lange Bank schieben, denn in 20 bis 30 Jahren soll sie endlich fertig sein…

Bevor wir uns auf den Weg zur Carretera Austral machen, wollen wir erst noch die chilenische Seite des Rio Jeinimeni erkunden, die wir gestern schon von der argentinischen Ruta 41 aus bewundern konnten. Dazu fahren wir die kleine Schotterstraße entlang des Rio in Richtung des gleichnamigen Nationalparks. Auf dem Weg liegt eine nette kleine Wanderrunde entlang von einigen Felsformationen und auch einer cueva de las manos, einer Höhle mit Wandmalereien in Form von Händen, deren Ursprung dem Volk der Tehuelches zugesprochen wird und vermutlich so um die 7.000 Jahre alt sind.

Wanderung an der cueva de las manos, Chile Chico, Chile 2018
Die manos. Wanderung an der cueva de las manos, Chile Chico, Chile 2018
Wanderung an der cueva de las manos, Chile Chico, Chile 2018

Für die Nacht verschwinden wir im Buschland und campieren auf einem der ungenutzten Schotterwege im Grenzgebiet zwischen Chile und Argentinien. Unter uns liegt der Lago General Carrera bzw. Lago Buenos Aires, als der Himmel bei Sonnenuntergang anfängt feurig rot zu leuchten. Als es endlich dunkel geworden ist können wir von oben die Lichter der „Großstadt“ bewundern, denn Chile Chico wird spektakulär von seinen etwa 8 Straßenlaternen illuminiert.

 

Chile Chico, Chile 2018

Tags drauf kaufen wir nochmal für die kommenden Tage ein. Die Versorgungslage ist nach wie vor relativ gut. Zwar gibt es nicht mehr die großen Supermarktketten, aber auch die etwas kleineren Läden sind gut bestückt. Allerdings ist hier alles deutlich teurer als in den leichter zu erreichenden Gegenden und das will im Falle des eh schon hochpreisigen Chile etwas heißen. So liegt der Dieselpreis hier bei beinahe 900 Pesos pro Liter, anstatt bei 625 wie noch in Valparaiso.

Chile Chico, Chile 2018

Die Fahrt führt entlang des Lago General Carrera und ist auch schon vor Erreichen der Carretera Austral spektakulär. Die Piste krallt sich teilweise direkt in den Fels und führt steil bergauf und bergab. Dabei leuchtet unter uns immer mal wieder der Lago unwirklich blau in der Landschaft.

Lago General Carrera, Chile 2018
Entlang des Lago General Carrera, Chile 2018

Bei El Maiten stoßen wir dann endlich auf die Ruta 7, steuern in Richtung Cochrane und passieren den Zusammenfluss des zunächst eisblauen Rio Baker mit dem grauen Rio Neff. Von hier fließt der Rio Baker dann als türkisfarbener Strom weiter.

Zusammenfluss von Rio Baker und Rio Neff. An der Carretera Austral, Chile 2018

Das Reisen auf der Carretera geht langsam vonstatten und so benötigen wir 2 Tage bis wir Tortel erreichen. Ein kleines Örtchen, das sich malerisch in eine Bucht schmiegt und komplett auf Holzpfählen gebaut ist. Autos gibt’s im Ort selber keine, denn man muss sich seinen Weg über hölzerne Stege erlaufen. Der Ort an sich ist wirklich interessant, verströmt aber irgendwie eine merkwürdige Atmosphäre. Alles wirkt irgendwie verschlafen und es scheint, als wäre man an Tourismus nicht so wirklich interessiert. Zunächst denken wir, dass alle Läden tatsächlich geschlossen haben, bis wir endlich dahinter kommen, dass man überall entweder klingeln oder klopfen muss, um eingelassen zu werden. Auch bei Lebensmittelläden und Restaurants. Leicht verwirrt setzen wir unseren Weg fort.

Tortel an der Carretera Austral, Chile 2018
Tortel an der Carretera Austral, Chile 2018
Tortel an der Carretera Austral, Chile 2018

Übernachtungsplätze gibt es an der Straße zu Hauf. Mal stehen wir zwischen einer alten, rostigen Hängebrücke und einer Seilbahn, mal kommen wir in einem Camp unter, dass von einem Deutsch/Chilenischen Paar geführt wird. Hier treffen wir auf ein anderes deutsches Paar, das für etwa ein Jahr unterwegs ist und quatschen im Gemeinschaftsraum des Camps bis spät in die Nacht, wobei wir uns mit dem alten, holzbefeuerten Ofen wohlig warm halten. Die dritte Nacht verbringen wir genau an der Stelle, an der der Rio Baker aus dem Lago Bertrand entspringt. Eisblaue Stromschnellen fließen mit viel Getöse quasi vor unserer Haustür vorbei, während das Lagerfeuer prasselt.

Rio Baker. An der Carretera Austral, Chile 2018
Rio Baker . An der Carretera Austral, Chile 2018
Empanadas zum Abendbrot. An der Carretera Austral, Chile 2018

Die Landschaft weiß zu überzeugen, schneebedeckte Berge, klare Flüsse und zu dieser Jahreszeit wird alles noch untermalt von bunten Blumenteppichen. Lupinen, Fuchsien und was weiß ich noch alles.

Lupinen an der Carretera Austral, Chile 2018
Lupinen an der Carretera Austral, Chile 2018

Und wenn man in die kleinen Nebenstraßen abbiegt, die in die entlegenen Täler führen, kann man vieler Orts noch die uralten Kalt-Regenwälder (oder auch gemäßigten Regenwälder) bestaunen. Genau das haben wir bei Puerto Rio Tranquilo vor, wo wir ins Valle Exploradores abbiegen wollen. Fast hundert Kilometer windet sich ein kleines Schottersträßchen am Rio Exploradores entlang und führt dabei durch ein Tal, dass mit jedem Kilometer immer entlegener und immer ursprünglicher werden soll. Leider können wir das nicht selber erleben, denn wie wir im Ort erfahren, ist das Tal derzeit von einem Erdrutsch versperrt. In der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober ist eine Erdlawine nieder gegangen und hat das ganze Tal verschüttet und den Rio Exploradores aufgestaut. Dort gibt es derzeit mit dem Auto kein Durchkommen. So berichtet es uns einer der Betroffenen, denn in Tranquilo treffen wir auf Thomas, einen deutschen Auswanderer, der hier als der „verrückte Deutsche“ bekannt ist (und auch er selber bezeichnet sich so). Seit über 20 Jahren lebt er hier im Tal und betreibt bei km 44 ein kleines Camp. Die Straße ist aber bereits etwa bei km 25 verschüttet und somit ist sein Gästehaus seit Wochen abgeschnitten und leer und das in der Hauptsaison. Eine Katastrophe für ihn und alle Leidensgenossen, die ähnliche Herbergen weiter unten im Tal betreiben.

Erdrutsch im Valle Exploradores, Carretera Austral, Chile 2018

Wir fahren ins Tal soweit es eben geht und schauen uns den Schlamassel an. Unsere Enttäuschung ist groß, aber im Vergleich zu der Notlage der Betroffenen vernachlässigbar. Wir haben somit einen guten Grund irgendwann einmal wieder hierher zu kommen, um das Tal zu erkunden.

Die Hauptattraktion von Puerto Rio Tranquilo selbst sind die Marmor Kathedralen im und am Lago General Carrera. Das Wasser des riesigen Sees hat hier Höhlen in das Marmorgestein gewaschen und dabei bizarre Formen entstehen lassen. Es gibt z.B. den Kopf des Hundes, den Elefanten und die Hauptattraktionen, die Kathedrale und die Kapelle.

Der Kopf des Hundes, Lago General Carrera, Catedrales de marmol, Carretera Austral, Chile 2018
Lago General Carrera, Catedrales de marmol, Carretera Austral, Chile 2018
Lago General Carrera, Catedrales de marmol, Carretera Austral, Chile 2018
Lago General Carrera, Catedrales de marmol, Carretera Austral, Chile 2018
Lago General Carrera, Catedrales de marmol, Carretera Austral, Chile 2018

Sehr touristisch das Ganze, aber in der Tat auch sehr sehenswert. Die Bootsfahrt auf dem Lago General Carrera übrigens hat es tatsächlich in sich. Denn der See ist dermaßen groß, dass der bereits mehrfach erwähnte patagonische Wind hier Wellen bis zu drei Meter Höhe auftürmen kann. Die kleinen Außenbordnussschalen der Tourveranstalter werden ordentlich durchgerüttelt und wir gleich mit. Und dass diese Wellen tatsächlich gefährlich werden können, musste einer der chilenischen „Nationalhelden“ leider am eigenen Leibe erfahren. Douglas Tompkins, Gründer der Textilmarken „Esprit“ und „The North Face“, ist vor einigen Jahren auf diesem See bei einer Kajaktour tödlich verunglückt. Einen Teil seines Vermögens hatte er in Chile in Land angelegt und an der Carretera Austral den Parque Pumalin und den Parque Patagonia zum Schutze der Natur gegründet. In einer der Unterkünfte der letzten Tage hatten mir einige Angestellte des Parque Patagonia davon erzählt und schienen Mr. Tompkins immer noch zutiefst zu verehren.

Wir entsteigen dem kleinen Bötchen gut geschüttelt und auch einigermaßen gerührt von den Wundern der Natur und nehmen lieber wieder im gemütlicheren Buschtaxi Platz. Seit Tagen haben wir das Gefühl nicht so richtig vom Fleck zu kommen und die hier durchaus üblichen Straßensperrungen machen uns auch nicht grade schneller. Kurz vor Cerro Castillo ist die Piste von 13 bis 17 Uhr gesperrt. An der Straße wird gearbeitet und heute wird sogar gesprengt. Bis die Brocken beiseite geschafft sind, steht der Verkehr. Eigentlich nicht weiter tragisch, denn wie gesagt, findet man eigentlich immer eine nette Übernachtungsmöglichkeit und so finden wir uns für die Nacht an einem kleinen Flusslauf inmitten unzähliger Lupinen wieder. Einen kleinen Wehrmutstropfen hatte der Tag dennoch. Denn heute haben wir uns einen fiesen Steinschlag in der Windschutzscheibe eingefangen. Nicht der Erste, aber der hier hat einen tiefen Riss verursacht, der nun langsam durch die Scheibe krabbelt….

Hinter Cerro Castillo fängt in Richtung Norden auch auf der Carretera Austral die Zivilisation an. Die Täler sind hier breiter als im tiefen Süden und die Straße hat die Menschen angelockt. Die Flächen wurden brandgerodet, um sie landwirtschaftlich zu nutzen. Es ist zwar immer noch schön hier, aber eher im Sinne von „Voralpenland-schön“. Wer in dieser Gegend das Ursprüngliche sucht, muss auf Nebenstrecken ausweichen. Ausgerechnet zwischen zweien der größeren „Städte“ finden wir noch ein Fleckchen unberührter Natur. Ein paar kleine Sträßchen von Coyhaique nach Puerto Aysen sehen vielversprechend aus, obwohl wir uns nicht ganz sicher sind, ob es auch wirklich einen Durchgang dort gibt. Von Coyhaique aus kommend, fahren wir Richtung Lago Portales. Oberhalb des Sees ist die Strecke laut Kartenmaterial unterbrochen, aber nur auf ein paar Kilometern. Die Strecke folgt größtenteils einem Flusstal, das durch alten Regenwald führt. Die Brücken hier sind alle auf 2 Tonnen beschränkt, da liegen wir locker drüber. Gut, dass es immer eine Umfahrung durch das jeweilige Flussbett gibt. Das geht so 3 bis 4 Mal, bis wir an die Stelle kommen, an der die Piste unterbrochen sein soll. Doch scheinbar wurde erst vor kurzem der Durchbruch geschafft. Der Weg schlängelt sich über enge Serpentinen hinauf in den Berg durch jungfräulichen Regenwald. Wie passend, dass heute der Himmel seine Schleusen ab und an auch mal öffnet. Die Rückseite der Piste führt nicht minder steil den Berg wieder hinunter und hier kann man dann ansehen, was passiert, wenn sich der Mensch seinen Lebensraum schafft, denn ersten Siedler sind hier bereits am Werk. Der Wald wird brandgerodet, wie schon auf so vielen tausend Quadratkilometern im Land, denn im dichten Urwald kann man kein Vieh weiden.

Nebenstrecke der Carretera Austral, Chile 2018

Kurz vor Puerto Aysen müssen wir nochmal über den gleichnamigen Fluss. Dafür steht eine kostenlose Fähre bereit, die von zwei Caballeros bedient wird und völlig ohne Motorkraft auskommt. Die Fähre hängt an langen Stahlseilen, durch die sie geführt wird und während des Übersetzens müssen die Männer nur ein paar Hebel verstellen, damit die Strömung des Flusses die Fähre in die richtige Richtung drückt. Wir müssen dazu lediglich während der Passage einmal das Auto von Vorne nach Hinten umparken, um mit der Gewichtsverlagerung das Ganze zu unterstützen. Die Aktion wird misstrauisch und unter lautem Gemecker von zwei Eisvögeln beäugt, die sich beschweren, weil die Führungsrollen der Fähre genau dort entlang müssen, wo sich die Vögel der Reproduktion widmen….

Fähre auf der Nebenstrecke der Carretera Austral, Chile 2018
Fähre auf der Nebenstrecke der Carretera Austral, Chile 2018
Eisvogel: Martin Pescador. An der Fähre auf der Nebenstrecke der Carretera Austral, Chile 2018
Entlang der Carretera Austral, Chile 2018

Ein weiteres wildes Stück Natur erwartet uns noch ein bisschen weiter nördlich. Die Ruta 7 windet sich kunstvoll durch den Parque Nacional Queulat, der außer Regenwald noch ein weiteres Highlight zu bieten hat. Den Ventisquero Colgante, ein hängender Gletscher. An sich haben wir ja nun schon einige Gletscher auf dieser Reise gesehen, aber dieser hier hat etwas Besonderes an sich. Er hängt über eine Felskante ins Tal und sein Schmelzwasser strömt in mehreren Wasserfällen in den darunter liegenden See. Was das Ganze aber noch besonderer macht, ist die Mischung aus grünem Urwald und kalt-blauem, ewigem Eis. Um zu einem der Aussichtspunkte zu gelangen, muss man zunächst über eine lange Hängebrücke über den reißenden Gletscherfluss und dann teilweise steil bergauf einem matschigen Pfad folgen, der durch dichten, tiefgrünen Regenwald führt. Der Wald ist so vollgesogen von Wasser, dass man fast Angst davor hat stehen zu bleiben und augenblicklich von einer Schicht Moos überwachsen zu werden. Es gibt die grünen patagonischen Papageien, Kolibris (die unmöglich zu fotografieren sind) und auch sonst allerlei Getier. Belohnt wird die Kraxelei mit einem beeindruckenden Panoramablick auf den Gletscher und seine Wasserfälle.

Am Ventisquero Colgante im Parque Queulat an der Carretera Austral, Chile 2018
Am Ventisquero Colgante im Parque Queulat an der Carretera Austral, Chile 2018
Am Ventisquero Colgante im Parque Queulat an der Carretera Austral, Chile 2018
Am Ventisquero Colgante im Parque Queulat an der Carretera Austral, Chile 2018

Eine bequemere Möglichkeit ist der kurze Fußweg zum See, den wir für den Sonnenuntergang wählen. Langsam werden die umliegenden Berge in rotes Licht getaucht und auch der Ventisquero beginnt zu leuchten. Unvermittelt schießt ein riesiger Schwall Schmelzwasser aus einem berstenden Riss und stürzt still und leise in einem breiten Schleier über die Felswand. Der dazu gehörige Knall folgt erst ein paar Sekunden später und hallt wie ein Donnerschlag durch das Tal und über den See zu uns herüber. Wow! Und auch als wir schon längst im Bett liegen rumort der Gletscher noch ein paar Mal vor sich hin, immer wieder ein Erlebnis….

Am Ventisquero Colgante im Parque Queulat an der Carretera Austral, Chile 2018

Wir tuckern die Ruta 7 langsam weiter in Richtung Norden und erreichen Chaiten. Der Ort wurde vor einigen Jahren schwer von einem Vulkanausbruch getroffen bei dem große Teile der Stadt zerstört wurden. Zunächst ist Chaiten aber für uns nur ein Stopp, um uns über die Fährverbindungen von und nach Quellon auf der Insel Chiloe zu erkundigen. Wir planen nämlich eine Schleife über die Insel zu drehen und dann per Schiffspassage wieder nach Chaiten zurück zu kehren, um anschließend durch das Tal des Rio Futaleufu nach Argentinien einzureisen. Außerdem buchen wir hier ein Ticket für die 5-stündige Fährfahrt des nördlichen Endes der Carretera Austral von Caleta Gonzalo nach Hornopiren. Die restlichen 50 km von Chaiten bis zum Fähranleger führen über pechschwarze Schotterpiste durch den Urwald des Pumalin Parkes.

Parque Pumalin, entlang der Carretera Austral, Chile 2018

Auch wenn die Piste teilweise recht schmal ist, sollte man immer darauf gefasst sein, dass einem auch hier durchaus 40 Tonner entgegenkommen können…. Die Fährtfahrt an sich führt über ruhige See entlang der bewaldeten Hänge der Küste. In Hornopiren hat man dann erneut ein Stück Schotterpiste zu bewältigen, derzeit leider komplett Baustelle und wirklich unlustig zu fahren, bis man dann vor der letzten Fähre über eine kurze Meerenge steht und wenig später Puerto Montt erreicht hat. Dort findet sich an einer wenig spektakulären Kreuzung das erste Hinweis Schild und der Kilometer 0 (oder auch 0,100???) der legendären Carretera Austral.

Wir haben insgesamt also beinahe 2 Wochen auf der Carretera Austral verbracht und haben stellenweise das Klischee tatsächlich vorgefunden. Aber auch an ihr geht die Entwicklung nicht spurlos vorbei. Einige Teilstücke haben nicht mehr viel von der einstigen Pionierstraße und dem Sehnsuchtsziel vieler Abenteurer. Aber wer etwas sucht wird sie finden, die rauen Schotterpisten in die Einsamkeit, den abgelegenen Regenwald und einige andere Wunder der Natur. Wer es noch erleben will, sollte sich allerdings etwas beeilen. Denn Chile gibt mächtig Gas sie weiter glatt zu bügeln und weich zu waschen.

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